Italien
Trotz dieser Tendenz und der politischen Abhängigkeit kam es zwischen 1380 und 1861 zu nur unwesentlichen Änderungen auf der Landkarte, die eine Dreiteilung des Stiefels dauerhaft konservierten: Der unter der nominalen Lehenshoheit des Kaisers stehende Norden gliederte sich in die Herzogtümer Savoyen (späteres Königreich Sardinien), Mailand, Parma, Modena, Mantua, Ferrara, Urbino, die Republiken Genua, Lucca und Venedig; in der Mitte erstreckte sich der Kirchenstaat in seiner größten Ausdehnung von Bologna bis Gaeta; der Süden umfasste die unter wechselnder Fremdherrschaft stehenden, meist eine Einheit bildenden Königreiche Neapel und Sizilien.
In diesem Zeitabschnitt verfügte der Adel über eine sehr starke Stellung. Die alleinige Obrigkeit, das erdrückende Pachtsystem (mezzadria), das Fehlen einer bürgerlichen Schicht und die zu keiner Zeit bewilligte Partizipation einer breiteren Bevölkerungsgruppe am politischen Geschehen machten aus dem unteren Abschnitt Italiens ein besonders unmündiges und rückständiges Gebiet, das den Anschluss an die nördlicheren Teile bis zum heutigen Tag nicht geschafft hat. Die Einflusssphäre des Königreichs beider Sizilien markiert noch heute die Grenzen des unterentwickelten Südens Italiens (Mezzogiorno). Dort, wo das soziale Auffangnetz besonders schwach ausgeprägt war, half man sich untereinander. [...]
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Miklós Sirokay
Italien: Leben und arbeiten in Italien
124 Seiten, DIN A5, Paperback
